„80 Jahre nach Kriegsende sind die Lehren der Vergangenheit wichtiger denn je!“
Am Sonntag, den 16. November 2025, fand um 11.30 Uhr die Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag am Ehrenfeld der ausländischen Kriegstoten auf dem Friedhof an der Oehde statt. Als besondere Gäste durfte auch wieder eine Delegation aus Schwelms Partnerstadt Saint Germain-en-Laye/Fourqueux zusammen mit ihrem Bürgermeister Daniel Level begrüßt werden.


Zentraler Punkt des Gedenkens war das Ende des 2. Weltkrieges vor 80 Jahren in Europa und im Rest der Welt. So hob Bürgermeister Stephan Langhard, ebenfalls Vorsitzender der Ortsgruppe des Volksbundes „Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“, in seinem Grußwort den Zusammenhang zwischen der historischen Totenehrung und der Botschaft für Frieden und Zusammenhalt in unserer gegenwärtigen Gesellschaft hervor: „Das Gedenken heute – hier am Volkstrauertag, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – ist deswegen kein Rückzug in Trauer, sondern ein offener Akt der Verantwortung: gegenüber den Opfern von damals, für die Gegenwart und die Zukunft.“ In diesem Zusammenhang rief er dazu auf wachsam und mutig zu bleiben und hoffnungsvoll nach vorne zu schauen: „Halten wir das Andenken an die Opfer lebendig – und setzen wir uns ein, für eine Welt, in der Frieden und Mitmenschlichkeit Leitsterne bleiben, nicht leere Worte. Lassen Sie uns gemeinsam für Frieden, Freiheit und eine Gesellschaft ohne Hass und Gewalt eintreten. Lassen Sie uns den Mut bewahren, auch in schwierigen Zeiten auf Menschlichkeit und Verständigung zu setzen. Wir ehren die Toten am meisten, wenn wir die Lehren der Geschichte ernst nehmen und wachsam bleiben für das, was uns verbindet.“



Auch sein Amtskollege aus Frankreich, Daniel Level, hob in seinem Grußwort hervor, dass nationenübergreifender Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, sondern nur im gemeinsamen Miteinander funktionieren kann.



Mit einer temporären Kunstinstallation als besonderen Beitrag riefen Schülerinnen und Schüler des katholischen Religionskurses der Stufe EF des Märkischen Gymnasiums im Anschluss zum Nachdenken über Frieden, Gerechtigkeit und Toleranz auf. Mit der Enthüllung eines „Verkehrsschildes der Gerechtigkeit“ auf dem Gräberfeld, setzten sie ein sichtbares Zeichen gegen Krieg und für Erinnerung, für Hoffnung und eine friedliche Zukunft. Die Aktion beruhte auf einer Zusammenarbeit mit dem Künstler Johannes Volkmann und seinem Kunst-Projekt „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“, das derzeit in der ganzen Bundesrepublik von Schulen und anderen öffentlichen Institutionen weitergetragen wird. Das Gymnasium zeigte anschaulich: KRIEG IST EINE SACKGASSE.




Pfarrer i. R. Rainer Schumacher vom ev. Kirchenkreis betonte in seiner Ansprache den „heldenhaften“ Einsatz von Dietrich Bonhoeffer bei seinem Widerstand gegen das Naziregime. Nachforschungen hatten noch zu Kriegszeiten ergeben, dass auch Bonhoeffer zu den Verschwörern des Attentats auf Hitler 1944 gehörte. In seiner Ansprache hob Schumacher Bonhoeffers Angst in der unsicheren Lage zwischen Hoffen auf einen gelingenden Umsturz und Bangen auf Verrat und Entdeckung hervor. Mit dem bekannten Gedicht „Wer bin ich?“, das Bonhoeffer während seiner Inhaftierung auf seine Hinrichtung wartend schrieb, rundete Frau Dr. Ilona Kryl, 1. Vorsitzende des Bürgervereins Linderhausen, den Appell zu couragiertem Auftreten gegen Krieg und Unmenschlichkeit in der Gegenwart ab.


Mit der offiziellen Totenehrung, die gemeinsam von Bürgermeister Stephan Langhard und Daniel Level aus Saint Germain-en-Laye/Fourqueux vorgetragen wurde, endete die Gedenkfeier am Friedhof Oehde. Anschließend erfolgte zusammen mit dem Volksbund „Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“ sowie Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Verbänden die Niederlegung der Kränze. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Schwelm unter der Leitung von Rüdiger Leckebusch.


(Text: Gregor Wessely und Susanne Schütte-Gerold / Fotos: Nicole van Velzen und Pressestelle MGS)