Chebiku

“Fantasie ist wichtiger als Wissenschaft“

Albert Einstein

Im Projektkurs CHEBIKU werden chemische Verfahren und Analysemethoden sowie bildgebende Verfahren der Biologie zum Ausgangspunkt für künstlerische Prozesse.
Die klare Sachlogik und Ratio der Chemie und Biologie werden dabei verbunden mit der Freiheit von Fantasie und Kreativität, eine rein intellektuelle Auseinandersetzung mit Wissenschaft erweitert durch die künstlerische Umsetzung von Ideen. 

Bildung am Gymnasium bedeutet im hohen Maße die intellektuelle Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Sprache aber weniger das kreative Umsetzen von Ideen in ein Produkt. Der Projektkurs CHEBIKU soll insofern eine Lücke schließen und beide Bereiche miteinander verbinden. Lerninhalte sollen fächerübergreifend verknüpft und Lernprozesse damit tiefergreifend gestaltet werden. Aus lernpsychologischer Sicht gelingt es so, in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler eine Assoziation herzustellen zwischen der naturwissenschaftlichen Thematik der dazugehörigen künstlerischen Umsetzung. 

Die Schülerinnen und Schüler sollen insofern nicht nur ihr Wissen im naturwissenschaftlichen Bereich ausbauen, sondern dieses als Ausgangspunkt eigener Imagination verstehen und künstlerische Strategien kennenlernen, die sie in ihrer Gestaltungskompetenz unterstützen.

Leitfach des Projektkurses ist das Fach Kunst, welches mit dem Fach Biologie und dem Fach Chemie verbunden wird. Der Besuch des Kurses und ein abschließendes Portfolio ersetzen die in der Jahrgangsstufe Q1 zu schreibende Facharbeit. Der Kurs wird von Frau Hüsmert, Lehrkraft im Fach Kunst, und Frau Blasberg, Lehrkraft in den Fächern Chemie und Biologie, betreut.

Curriculum — Thematische Schwerpunktsetzung des Projektkurses 2020/21

Das Curriculum für den Projektkurs CHEBIKU orientiert sich an den Kerncurricula für die Fächer Biologie, Chemie und Kunst in NRW. Die fachlichen Inhalte knüpfen teilweise an bekannte Unterrichtsinhalte an und vertiefen diese, ergänzende und neue Inhalte werden ebenfalls eingewoben. Der Projektkurs umspannt insgesamt vier Module: 

1. „Naturfarben“ / Fluoreszenzfarben  

Die Schülerinnen und Schüler sollen im Rahmen des Themas „Naturfarben“ zunächst forschend der Frage nach gehen, wo und warum es Farben bei Pflanzen gibt, wo genau diese lokalisiert sind und welche Eigenschaften diese haben. Sie erarbeiten sowohl die chemischen (z.B. Extraktion der Pflanzenfarbe) als auch die biologischen Aspekte (z.B. farbige Zellsaft-Vakuolen), wobei sie u.a. die Pflanzen aus dem schulischen Färbergarten nutzen. Des weiteren soll eine vertiefte Auseinandersetzung mit Fluoreszenzfarben stattfinden. Die Farben sollen anschließend Ausgangspunkt einer Malerei werden. 

2. Chromatografie

Die spezielle Labormethode der Chromatografie dient dazu festzustellen, ob Pflanzenfarben Reinstoffe oder Gemische sind. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten die unterschiedlichen Formen dieser Methode und untersuchen die Pflanzenfarbe genauer. Der Titel eines Buches des Entdeckers der Paperchromatografie, Friedlieb Ferdinand Runge (1794-1867), ist für das weitere Vorgehen im Kurs Programm: „Musterbilder für Freunde des Schönen und zum Gebrauch für Zeichner, Maler, Verzierer und Zeugdrucker“. Runge selbst erkannte die Bedeutung seiner Entdeckung für die chemische Analytik nicht, sondern verwendete die Chromautogramme als Kunstwerke. Selbst hergestellt Papierchromatogramme sollen im Projektkurs Teil einer Collage werden, die als künstlerische Umsetzung erstellt wird. Thematisch kann hierzu beispielsweise ein bestimmter Baum porträtiert werden. 

3. Mikroskopie

Bereits im ersten Modul wurde das Mikroskop verwendet, um bestimmen zu können, wo genau sich die Pflanzenfarbe befindet. Nun soll das Mikroskop als Bildgeber verstanden werde: Objekte unter dem Mikroskop sollen mit einer digitalen Mikroskop-Kamera fotografiert werden. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von zellulären Objekten bis hin zu einer völlig freien Wahl des Objekts unter dem Mikroskop ist alles denkbar. Viele der mikroskopischen Bilder sind für sich genommen bereits Kunstwerke, die Fotos dienen dann als Ausgangspunkt für eine zeichnerische Ergänzung, der nächsten künstlerischen Umsetzung. 

4. Fotografie 

Alle möglichen Teilthemen zur Fotografie zu erörtern, sprengt den Rahmen dieser Vorstellung. Stichworte sind: analoge Fotografie und Vorläufer, chemische Grundlagen der Fotografie und Entwicklung von Fotos im Labor, Aufbau und Optik der Kamera, der CCD-Lichtsensor, Fotografie in der Kunst, digitale Bildbearbeitung.  

Zu Beginn dieses Moduls soll insbesondere im Fotolabor der Schule gearbeitet werden, mit dem Bau einer eigenen Kamera (Camera Obscura) und der Erstellung von Fotogrammen soll der künstlerische Aspekt der fotografischen Arbeit hierbei nicht zu kurz kommen. 

Abschluss des Projektkurses 

Am Ende des Projektkurses wird eine öffentliche Präsentation der künstlerischen Arbeiten im Rahmen einer Ausstellung mit Vernissage angestrebt. Die Schülerinnen und Schüler sollen hierbei in die Vorbereitungen der Kunstausstellung (Plakate, Flyer etc.) eingebunden werden.