Yánesha-Indianer Carlos Abel aus Peru besucht das MGS

Quelle: 
Jens Bergmann

„Poetare allyoweney,“ mit diesen Worten begrüßte der Yánesha-Indianer Carlos Abel aus Peru die Schüler und Schülerinnen des Märkischen Gymnasiums. Vom ersten bis zum dritten April berichtete Herr Abel dort aus dem Leben seiner Familie, die in den 50er Jahren aus ihrer Dschungelheimat vertrieben wurde, nachdem der peruanische Staat die Gegend an deutschstämmige Siedler übertragen hatte. Gemeinsam mit dem Schwelmer Jens Bergmann informierte Herr Abel außerdem über die immer schneller fortschreitende Zerstörung der Regenwälder Amazoniens.

Heute kämpft Herr Abel an der Seite des Vereins Chance e.V. für das Überleben der letzten Indianer-Dörfer. Der Verein wurde vor 15 Jahren von Jens Bergmann gegründet und arbeitet gemeinsam mit indigenen Gemeinschaften für nachhaltige Entwicklung.

Das Märkische Gymnasium, an dem Jens Bergmann 1994 sein Abitur machte, unterstützt die Projekte von Chance e.V. seit Jahren, u.a. begleiten verschiedene Klassenverbände insgesamt 18 Kinder aus den armen Dschungeldörfern als Paten und finanzieren so ihre Schulbildung.

Vor den staunenden Augen der Schüler verwandelte sich Herr Abel jeden Morgen in einen echten Indianerhäuptling. Über Jeans und Hemd zog er ein traditionelles Gewand, setzte sich eine Bambuskrone auf, bemalte sich sein Gesicht und erklärte dabei die unterschiedlichen Waffen und Spielzeuge, die er aus seinem Heimatdorf mitgebracht hatte.

Dann erzählte er davon, wie seine Großeltern frei und ungestört in den Regenwäldern gelebt hatten, bis die Siedler mit riesigen Maschinen die Bäume fällten, die Wälder verbrannten und die Dörfer der Yánesha-Indianer zerstörten. Was folgte, waren Krankheiten, Zwangsarbeit und Vergewaltigungen. Bis heute leiden die Überlebenden, ihre Kinder und Enkel unter den Folgen dieser Ereignisse.

Herr Abel erzählte von der Armut der Indianer, von dem Terror, der die Regenwalddörfer in den 80er und 90er Jahren erschütterte, von seiner Zeit als Soldat und als Fabrikarbeiter in einem der größten Slums Südamerikas. Jetzt lebt er wieder in dem Dorf seiner Großeltern, das noch immer ums Überleben kämpft, weil Landräuber den Indianern auch noch ihre letzten Wälder stehlen wollen, um dort Viehweiden und Plantagen anzulegen. Chance e.V. finanziert u.a. den Kampf um die Landrechte der indigenen Bevölkerung.

Am letzten Tag seines Besuchs in Schwelm richtete sich Herr Abel mit bewegter Stimme an die versammelten Schüler: „Mein Leben lang bin ich diskriminiert worden, doch ihr habt mir gezeigt, dass ihr euch für das Schicksal der Indianer interessiert. Das macht mir großen Mut, denn alle gemeinsam können wir viel bewegen für Gerechtigkeit und den Schutz der letzten Regenwälder.“     

Mehr Informationen:

www.chance-international.org

www.mein-regenwald.de