Schwelmer Lehrer-Urgesteine gehen in den Ruhestand

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Westfälische Rundschau vom 07.02.2017

Bernd Richter

Positives Beispiel

In ihrer Laudatio im übervollen Lehrerzimmer im Mittelbau der Schule würdigte Direktorin Katharina Vogt das Wirken der scheidenden Kollegen. Mit dem kurzen Satz „Georg ist für mich DER Lehrerrat und Erich DER Physiker“ brachte es die Schulleiterin, begleitet vom zustimmenden Nicken der Kollegen, auf den Punkt. Sie erinnerte an die Aktivitäten wie Theater- und Kinderrechts-AG. Beide würden ihr als sehr engagierte Lehrer in Erinnerung bleiben, die die Schule als „ihr Märkischen Gymnasium“ betrachtet hätten. Imponiert habe ihr auch die kritische, konstruktive Distanz von Erich Wilberg zu Vorschriften. Als Klassenlehrer habe er bei Auslegung dieser Vorschriften stets im Sinne der Schüler gehandelt. „Es fällt mir schwer, Euch zu verabschieden“, so Katharina Vogt. Für sie sind die beiden Neu-Ruheständler aber auch ein positiv besetztes Beispiel für das Älterwerden. „Wenn man so jung alt wird wie Ihr, ist alles zu ertragen.“

Die Fachschaftskollegen setzten schließlich den Reigen der teils sehr humorvoll ausgestalteten Abschiedsreden fort. „Du wirst eine große Lücke hinterlassen“, bescheinigte Wolfgang Rauhaus Georg Dieker-Brennecke. Ein weiterer Lehrer lobte dessen Eigenschaft als Brückenbauer zu jungen Kollegen und seine Rolle als geschätzter Ratgeber. Das Kollegium hat auch sehr die Fachkompetenz beider Ruheständler geschätzt. Beispiel gefällig aus den Reihen der Physiker: „Wir arbeiten hier in der Fachschaft eng zusammen und wenn Du eine Frage hast, frag Erich.“

Das Schlusswort hatten schließlich die Pensionäre. „Man lässt etwas zurück. Ich habe mich in diesem Kollegium sauwohl gefühlt, wir haben viel miteinander gelacht. Ich werde dieses Kollegium vermissen“, stellte Erich Wilberg mit einem weinenden Auge fest. Der Lehrerberuf sei ein ganz toller Beruf. Man könne Menschen weiterhelfen. Ihm werde es fehlen, vor einer Klasse zu stehen“, resümierte DER Physiker. In Richtung seiner Schüler spendete er ein dickes Lob. „Wir leben hier in Schwelm auf einer Insel der Glückseligen, wir haben hier ganz tolle Schüler.“ Seinen aktiven Kollegen gab er den Tipp, sich in den Pausen nicht nur über die Schüler auszutauschen, die Ärger bereiteten, sondern auch über positive Erlebnisse mit den ihnen anvertrauten Schülern zu sprechen.

Ein Gehen mit schwerem Herzen

Auch bei Georg Dieker-Brennecke überwog am Abschiedstag die sentimentale Seite: „Das lachende Auge wird noch kommen. Mir fällt es schwer, mich zu verabschieden.“ Als überzeugter Münsterländer habe er erste Erfahrungen als Lehrer an einem bischöflichen Privatgymnasium in Münster-Hiltrop sammeln und dort auch alt werden können. Doch irgendwann sei ihm Münster zu schön und klein geworden. „Münster kann so unheimlich spießig sein, deshalb habe ich mich um eine Stelle im südlichen Ruhrgebiet geworden“, erinnerte er sich. Gelandet sei er schließlich in Ennepetal. Eineinhalb Jahre habe er in Hagen-Haspe gewohnt. „Den Namen Ennepetal hatte ich vorher noch nie gehört, habe die Stadt auch gar nicht auf der Landkarte finden können bis man mir sagte: Abfahrt Wuppertal-Nord.“

Sinnerfülltes Berufsleben

Anders sei das bei seinem Stellenantritt in Schwelm gewesen. „Hier habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt“, so der Oberstudienrat i.R., um sich sogleich an die damals noch existierenden zwei Lehrerzimmer und die daraus resultierenden Grabenkämpfe am MGS zu erinnern. Anfangs in den 1980er Jahren hätten die neuen Kollegen ihm gesagt: „Wenn Du was werden willst, muss Du in das Lehrerzimmer im Altbau kommen.“ Die 1990er Jahre seien dann am MGS die Zeit der Konsolidierung gewesen. „Beim Start der Theater-AG fand ich anfangs eine Wüste vor. Wir hatten keinen einzigen Scheinwerfer. Zehn Jahre später hatten wir dann alles“, erzählte Georg Dieker-Brennecke. Mit der Einladung ans Kollegium zum Umtrunk und Imbiss verbanden beide ihren herzlichen Dank an die Kollegen und an ein sinnerfülltes Berufsleben.