Mensen an Gymnasien: Generation Fast Food liebt Salate
Sie sind hier
Gevelsberg, 23.05.2011, Frank Winter

Ennepe-Ruhr. Wie isst der heutige Schüler? Natürlich soll es lecker sein – und günstig. Martin Wicik, der die Mensen der beiden Gymnasien in Schwelm und Gevelsberg betreibt, hat aber noch eines festgestellt: „Viele wollen auch gesund essen.“
Das Vorurteil von der Fast Food-Generation ist eben nur ein solches. Wicik hat festgestellt, dass viele Schüler sehr wohl auf die Ernährung achten. Was ihn auch selbst ein wenig überrascht hat. Beispiel gefällig? „Als wir in Schwelm das Salatbuffet eingeführt haben, war das in der Beliebtheitsskala auf Anhieb auf dem ersten Platz.“ Mittags äßen rund ein Viertel der Schüler Rohkostsalate.
Dabei gehört der Salat mit einem Preis von 3 Euro pro Portion noch zu den teuersten Angeboten, die hinuntergehen bis zu 1,50 Euro für eine Folienkartoffel oder 2 Euro für eine vegetarische Weizentortilla. Die sieht Wicik allerdings mehr als Snack denn als vollwertiges Essen an.
Aber auch die würden ja angeboten. Und schließlich wolle man den Schülern ja auch ein Angebot machen, das sie in die Mensa locken und nicht von dort fernhalten soll. Die Mischung soll’s machen. Wobei Wicik auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass die Schüler sich mal einen Döner gönnen. Er sagt sogar: „Den sollen sie dann hier essen.“ Die Mensa sieht er als zentralen Punkt im Sozialleben der Schule. Hier soll nicht ausgegrenzt werden.
„Wir halten uns an die Richtlinien der Gesellschaft für gute Ernährung“, sagt Wicik. Sein Konzept sieht vor, dass kein Fertiggericht geliefert, die Ware täglich frisch zubereitet wird. Der durchaus bewusste Umgang mit der Ernährung zeige sich laut Wicik auch bei den Snacks im von den Eltern mitbetriebenen Kiosk. „Hier ist das Verhältnis von Körnerbrötchen zu normalen Brötchen etwa 80 zu 20.“
Auch die Lehrer greifen bei dem Angebot zu
Wicik betreibt die Mensa im Märkischen Gymnasium in Schwelm seit Oktober 2010. Sein Konzept überzeugte auch in der Nachbarschaft. Das Gymnasium Gevelsberg, wo die Mensa seit Januar 2011 läuft, entschied sich kurzfristig auch für Wicik. Und auch dort wird das Mensaessen angenommen. „Das Essen ist gesund, weil es eine Vielfalt bietet. Und damit ist es auch ausgewogen“, so Pädagogin Alexandra Wakenhut. Sie hat festgestellt, dass in Gevelsberg rund 90 Prozent der Schüler die Mensa „in irgendeiner Weise“ nutzen. Und auch Lehrkräfte trifft man dort. Wakenhut: „Das Kollegium nimmt die Mensa auch an. Weil das Essen gut ist.“
Gevelsberg und Schwelm ist bei ihrer Mensa gemein, dass sie kein Menüangebot „mit erhobenem Zeigefinger“ anbieten, sondern den gesunden Mittelweg. In allen Bereichen. Cola gibt’s zwar keine, dafür aber ausreichend Säfte als Alternative zum Wasser.
Sogar Martin Wicik war von der hohen Auslastung (rund 70 Prozent in Schwelm und Gevelsberg) überrascht: „Ich habe mit der Entwicklung selbst nicht gerechnet.“ Zumal sämtliche Schulen, die er betreut (dazu zählen noch die Realschule Schwelm und ein Wittener Gymnasium) Offene Ganztagsschulen seien, in denen also nicht grundsätzlich Nachmittagsunterricht geleistet wird.
Günstig, ausgewogen und lecker – so isst der Schüler heute. Und dann darf’s eben auch ab und zu einmal ein Döner oder ein Hamburger sein, auch in der Mensa.