Hannelore Gansczyk übergibt Dirigentenstab in Schwelm

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Westfalenpost vom 29.06.2018

Abschiedskonzerte: Gründerin des Orchesters und Instrumentalkreises am Märkischen Gymnasium Schwelm (MGS) geht in den Ruhestand.

Traditionell enden die Konzerte des Orchesters und des Instrumentalkreises am Märkischen Gymnasium immer mit „Time to say Goodbye.“ Aber diesmal ist es wirklich endgültig: Nach 37 Jahren geht die beliebte Musiklehrerin und Gründerin der beiden Ensembles, Hannelore Gansczyk, in den wohlverdienten Ruhestand.

Sie übergibt den Dirigentenstab an ihren Kollegen Henrik Weiß (33). Weiß, der unter anderem Kirchenmusik studiert hat, möchte die tolle musikalische Arbeit weiterführen und setzt auf Kontinuität.

Abschiedskonzerte

Die Gansczyk-Aussage: „Wenn kein klassisches Stück dabei ist, dann kann man es nicht Konzert nennen“, würde weiterhin gelten. „Dann gibt es Beethoven mit Saxophon und Schlagzeug, das muss er verkraften.“ - Schließlich bliebe der Eindruck hinter den Noten erhalten. So erklingen in diesem Sommer die Konzerte als Abschiedskonzerte „1981 – 2018 As Time Goes By“.

Dabei hatte Gansczyk Lieder einstudiert, die alle einen Bezug zum Thema Zeit hatten – sei es, dass sie sich selbst damit beschäftigten, („Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, „Rock around the Clock“, „Star Trek through the Years“,...) oder sie zeigten die musikalische Entwicklung im Laufe der Zeit, angefangen von Joseph Haydn (Abschiedssinfonie), über Ludwig van Beethoven bis hin zu Peter I. Tschaikowsky (jeweils Symphonie Nr. 5). Aber selbstverständlich durften „Pirates of the Caribbean“ ebenfalls nicht fehlen. Es hatte sich über die Jahre hinweg zum Lieblingslied der Schüler entwickelt.

Eröffnet wurde der Konzertabend mit der Eurovisionsmelodie („Te Deum: Prelude“) von beiden Ensembles. 140 Künstler verteilten sich an den Seitenrändern und auf der Empore der bis auf den letzten Platz besetzten Aula. Das Publikum war umgeben von Musik und wurde stimmungsvoll zu einem eindrucksvollen Konzertabend begrüßt.

Die Schüler zeigten die ganze Bandbreite ihres Könnens, ob Klassik oder Rock, das Publikum war begeistert und genoss die Musik. Das Orchester wurde am Mittwoch verstärkt durch die jetzigen Abiturienten, Lehrer und ehemalige Schüler.

Am Samstag, an dem dann die Verabschiedung der Dirigentin im Vordergrund stehen wird, werden ihre beiden Kinder im Orchester mit dabei sein. Vater Klaudius Gansczyk freut sich: „Unsere Tochter Mona (31) spielt professionell Geige, aber Tom (34) hat nach längerer Pause erst jetzt wieder für seine Mutter mit dem Cello begonnen.“

Flaschmobartig überraschten die Eltern die Dirigentin mit einem Ständchen „Sag beim Abschied leise servus“ mit musikalischer Begleitung. Weiß hatte hierzu einen geheimen Aufruf gestartet und jeder, der sich angesprochen gefühlt hatte, brachte sich ein – mit Stimme oder Instrument.

Die Ensembles überreichten Gansczyk eine Tuba, gefüllt mit guten Wünschen, da hieß es nur noch: „Ich bin geplättet.“ Sie blicke zurück auf eine wunderbare Zeit und sei froh, sich damals für Schwelm entschieden zu haben. „Ich habe hier sehr günstige Bedingungen angetroffen. Musik gehört zum Leben der Stadt hinzu.“ Gestartet sei sie damals mit acht Kindern im Instrumentenkreis und nun beteiligte sich jedes siebte Kind der Schule. Die Schulleiterin Katharina Vogt freute sich über das Gemeinschaftserleben, die enorme Verbundenheit und lobte: „Sie lebt das.“ Aus Schülerkreisen hieß es zum Abschied traurig: „Leider.“

Neben den konsequenten wöchentlichen Proben und den Extraproben habe es auch viele sonstige Highlights gegeben, erzählt Hannelore Gansczyk. Gerne erinnere sie sich an die Einladung von Phoenix-Reisen zu zwei Orchester-Konzerten auf einer einwöchigen Ärmelkanal-Kreuzfahrt, einem Probenraum auf dem Meer, dem Zusammenspiel mit den Kölnern Symphonikern und der Eröffnung des Kindertages in Köln. Sie würde der Musik treu bleiben und ihr Mann schmunzelt: „Sie wird Aufgaben finden.“