Ein Leben für das Erleben von Musik

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Westfalenpost vom 02.07.2018

Beim Abschiedskonzert für und mit Hannelore Gansczyk spornt die scheidende Leiterin ihr Orchester erneut zu Höchstleistungen an.

Es wurde ganz ruhig in der vollbesetzten Aula des Märkischen Gymnasiums. Die Zuhörer warteten gespannt auf das letzte Orchester-Schulkonzert unter Leitung von Hannelore Gansczyk. Da meldete sich der Knirps Emilian (2) zu Wort und rief begeistert: „Oma“. Damit wies er dezent darauf hin, welche Rolle in Zukunft mehr Zeit in Leben von Hannelore Gansczyk einnehmen dürfe.

Gansczyk winkte zurück und setzte den Taktstock zum letzten Abschiedskonzert an.

Sie spornte die jungen Musikerinnen und Musiker gewohnt wieder zu Höchstleistungen an und bereitete sich und ihnen ein eindrucksvolles Happy End. Die vorangegangenen Konzerte dieser Woche hatten das endgütige Finale langsam eingeleitet. Die Musikpädagogik bedankte sich bei all ihren Weggefährten und bei ihrem "treuesten Zuhörer", der 37 Jahre lang als Talisman den Konzerten beigewohnt hatte - ihrem mann Klaudius Gansczyk.

Sie erinnerte sich daran, dass sie 1981 ursprünglich erst eine Stelle in Köln antreten wollte, aber ihr Mann sie nach Schwelm gezogen habe. Aus dem "nach Schwelm müssen" sei ein "in Schwelm sein dürfen" geworden.

Ihr erstes Konzert war in St. Marien mit acht Musikern in einer abenteuerlichen Besetzung. Daraus sei der Instrumentalkreis entstanden. Schnell war aber klar, dass sie keinen Blockflöten-Sound mehr spielen wollen, und der Grundstock für die heutige Orchesterarbeit war gelegt.

Heute stehen 100 Musiker vor ihr auf der Bühne. Hannelore Gansczyk ließ die unterschiedlichen Wettbewerbe und Highlights Revue passieren und plauderte aus dem Proben-Nähkästchen und von ihrer Vorliebe für temperamentvoll fliegende Dirigentenstäbe. Es war ihr wichtig, das weiterzugeben, was ihr selbst im Leben wertvoll sei: "Das gemeinsame Erleben von Musik." Und sie würde sicherlich die Verlässlichkeit ihrer Schüler und das über die Jahre weg gemeinsame Vertraut-Werden vermissen sowie das "Baden im Klang".

Die von der Musik begeisterte Bürgermeisterin Gabriele Grollmann versprach, dem "wunderbaren Orchester demnächst eine besondere Plattform zu schaffen." "Als Nicht-Mathematiker" hatte die Germanistin und Schulleiterin Katharina Vogt berechnet, dass Gansczyk 4000 Jahre Schülerleben begleitet habe und die Schule sehr viel menschlicher gestaltet habe. Die mitschwingenden Emotionen kamen an diesem Abend durch die Abschiedssymphonie von Haydn zum Ausdruck. Hierbei unterstützte sogar die 1. Geigerin des Wuppertaler Symphonieorchesters Carola Seibt, die als Tutorin mit den Schülern arbeitet.

Ganz nach den Anweisungen von Haydn verließen die Musiker, darunter auch ihr Sohn Tim, nachdem ihre Instrumentengruppe verstummt war, die Bühne. Ihre Tochter Mona, die Mutter von Emilian, spielte den letzten Ton, bevor Gansczyk den Dirigentenstab an Henrik Weiß übergab und von ihrer Familie empfangen wurde.

Vollkommen unerwartet trat Klausius Gansczyk ans Mikrofon - 37 Jahre habe er geschwiegen, das ginge nicht mehr. Er hatte die Rede nicht vorbereitet, es war ihm eine Herzensangelegenheit, spontan zu sprechen. In humorvollen Worten bedankte er sich bei seiner Frau.

Sie habe ihm verschiedenste Facetten gezeigt, und er habe für seine eigene Tätigkeit heimlich viel gelernt. Selbst Lehrer und verantwortlich für die Ausbildung von Lehrern wies er darauf hin, wie wichtig die Verbreitung von langfristigem Lernen und echte Gruppenarbeit sei. Dies habe er in den 37 Jahren erleben dürfen und bedankte sich für das Zusammenleben.