Besuch im Schulmuseum

„Aufrecht Sitzen! Hände auf den Tisch! Absolute Ruhe!!!“

So klingt es, wenn das strenge Fräulein Lehrerin für „Zucht und Ordnung“ sorgt und wir alle angsterfüllt und stocksteif in den Bänken sitzen.

Das Fräulein Lehrerin wird, zur Erleichterung des ganzen Kurses, von der Museumspädagogin des Westfälischen Schulmuseums Dortmund nur gespielt und wir befinden uns in einer historischen Unterrichtsstunde in einem Originalklassenzimmer aus der Kaiserzeit. Hier findet der Höhepunkt unserer Exkursion statt: die Simulation einer historischen Unterrichtsstunde.

Der Differenzierungskurs Gesellschaft, Sozialisation und Lernen der Jahrgangsstufe 10 hat sich am 10.9.09 nach Dortmund aufgemacht, um den Spuren unserer Schulgeschichte nachzugehen. Da wir uns momentan mit dem Thema der Schulgeschichte und der sich wandelnden Schule beschäftigen, unsere eigenen Erfahrungen aber wohl kaum „historisch“ sind, mussten weitere Quellen der Information ausfindig gemacht werden. Selbst die Großeltern können noch höchstens über die Schule in den 50/60er Jahren berichten, doch wie war es in der Schule im Mittelalter, im 18. Jahrhundert oder zur Kaiserzeit?

Wir haben ziemlich schnell erfahren, dass der Schulbesuch lange Zeit ein großes Privileg weniger Kinder war. Nur Kinder deren Eltern es sich leisten konnten und die sie nicht für die Arbeit auf Feld und Hof benötigten, durften bis ins 19. Jahrhundert hinein eine Schule besuchen. Die Bestrafung mit der Rute und später mit dem Rohrstock gehörte noch bis vor 40 Jahren zum Alltag des schulischen Unterrichts. Was für uns heute selbstverständlich ist, wie die Möglichkeit des Schulbesuchs für jeden, ein gewaltfreier Umgang des Lehrers mit dem Schüler und vor allem ein schülerorientierter Unterricht - das galt lange Zeit als undenkbar für das schulische Leben.

Im Schulmuseum haben wir nicht nur die verschiedenen Werkzeuge zur Züchtigung der Schüler gesehen, sondern auch auf dem Rechenbrett nach Adam Ries gerechnet wie in alten Zeiten. Doch am besten werden wir uns wohl an die Unterrichtsstunde unter den Bedingungen der Schule der Kaiserzeit erinnern, denn die sehr strenge Unterrichtsführung und die starke Kontrolle durch die Lehrerin sind wir heute nicht mehr gewohnt. So fiel es schon schwer, jede Antwort stehend, im ganzen Satz zu formulieren und diesen immer mit "Fräulein Lehrerin" enden zu lassen. Auch die Überprüfung der Sauberkeit von Händen und Ohren schienen zunächst lustig, doch nachdem man dafür getadelt wurde, früher hätte es für z.B. dreckige Fingernägel 6 Stockhiebe gegeben, war man auch ganz schnell still und verkroch sich in der Bank. Wir durften mit Griffeln auf Schiefertafeln schreiben und erkannten, dass auch die uns bekannte Fleißkarte einen historischen Ursprung hat.

So kamen wir in unserer abschließenden Diskussion zu dem Ergebnis, dass der Unterricht zur Kaiserzeit mit Sicherheit sehr diszipliniert und leise ablief, die Schüler aber kaum individuell berücksichtigt wurden und der Unterricht angsterfüllt und wenig abwechslungsreich war.

Wir sind froh heute und nicht in der Kaiserzeit die Schule besuchen zu dürfen.